Drohne Gefährdung, Risiko und Verletzungen


Wenn über Drohnen und von der auszugehenden Gefahr gesprochen wird, gibt es meistens zwei Lager. Die einen interessiert das Thema nicht im geringsten und für die Anderen sind Drohnen eine gefährliche Waffe, die verboten gehört.


Dieser Fachartikel analysiert das Gefahrenpotenzial einer Drohne und zeigt Lösungen auf.

Achtung: In diesem Artikel werden am Ende Bilder von Verletzungen durch Drohnen gezeigt. Wenn Sie kein Blut sehen können, scrollen Sie nicht bis zum Ende dieses Artikels! Es folgt noch eine Warnung.

Die Haupt-Gefahrenquellen einer Drohne sind:
  • Kinetische Energie beim Aufschlag
  • Propeller
  • Akku bzw. Batterie

Die Gefährdungen im einzelnen:

Kinetische Energie beim Aufschlag

Die Energie beim Aufschlag beträgt nach der Formel für die kinetische Energie:


m: Modellmasse in kg
v: Modellgeschwindigkeit in m/s
E_kin: Kinetische Energie in Joule

Das Gewicht spielt im Vergleich zu der Geschwindigkeit eine nicht ganz so große Rolle. Ein doppelt so schweres Modell hat die doppelte kinetische Energie beim Aufschlag wie das Ursprüngliche. Ein doppelt so schnelles Modell hingegen besitzt die 4-fache Energie im Vergleich zum ursprünglichen Modell.

Berechnungsbeispiel DJI Phantom 2

Mit etwas Mühe wird der „DJI Phantom 2“ um die 80 km/h (ca. 22 m/s) im Sturzflug erreichen können. Bei einem Gewicht von 1,0 kg entspricht dies einer kinetischen Energie beim Aufschlag von 247 Joule.

Berechnungsbeispiel Hotliner

Ein typischer Hotliner (Flächenmodell, Masse 1,0 kg, Geschwindigkeit ca. 250 km/h) besitzt hingegen 2411 Joule beim Aufschlag. Dies ist etwa die 10 fache Energie verglichen mit dem DJI.

Gefährdung beim Aufschlag

Zum Vergleich dürfen die Projektile einer Luftdruckwaffen in Deutschland maximal 7,5 Joule, an der Mündung gemessen (Mündungsenergie), besitzen.

Auch wenn eine Drohne eine gewisse Energie beim Absturz freisetzt, lässt es die Struktur des Modells nicht zu, dass die Energie punktuell wirkt. Die Struktur ist schlicht nicht steif genug und wird verformt werden. Die einzige Ausnahme bilden die Motoren. Diese sind kompakt aufgebaut und stabil genug um höheren Schaden anzurichten. Viel kritischer wird es, wenn die Motoren beim Absturz mit voller Leistung drehen.

Gefährdung durch Propeller

Die Gefährdung durch die Propeller betrifft insbesondere folgende Punkte:
  • Schnittverletzungen durch Kontakt mit dem Propeller
  • Schnitt- und Stichverletzungen durch einen gerissenen Propeller
  • Gehörschäden durch die Propeller
Da die Propeller scharfe Kanten besitzen, sind Schnittverletzungen nicht zu unterschätzen und können tiefe Wunden erzeugen. Wenn sich das Modell weiter mit laufenden Propellern bewegt, entstehen zahlreiche Schnittwunden. Selbst kleine Propeller (z.B. 5 Zoll) können ernsthafte Verletzungen erzeugen. Größere (8 Zoll und mehr) Propeller, vor allem aus CFK, können sehr tiefe Wunden verursachen und durchtrennen problemlos die Haut sowie Sehnen, Bänder und Blutgefäße. Das Schnittwunden durch einen Propeller stark bluten und Narben hinterlassen sollte jedem klar sein.

Viele Piloten sind sich der Kraft nicht bewusst, die ein Propeller besitzt. Sehen Sie sich nachfolgendes Video einmal an und machen Sie sich selbst ein Bild.


Handstart und Handlandung ist leichtsinnig

Besonders gefährdet sind dabei die Piloten, die leichtsinnig das Modell aus der Hand starten und wieder fangen.



Bedenken Sie bei Handstarts bzw. Handlandungen folgende Punkte:
  • Ein mittelmäßiges Modell dreht sich in unter 0,3 Sekunden von der waagerechten Startposition in die Senkrechte und damit in den Arm oder das Gesicht des Piloten. Für eine entsprechende Schutzreaktion des Piloten bleibt keine Zeit.
  • Auch kleine Modelle können in sehr kurzer Zeit erstaunliche Kräfte entwickeln. Selbst ein vermeintlich sicher gehaltenes Modell ist dann nicht mehr haltbar.
  • Der Pilot hat lediglich eine Hand an der Fernsteuerung und kann nur eingeschränkt reagieren.
  • Eine Windböe kann das Modell zu dem Piloten bewegen.
  • Das Modell ist in unmittelbarer Nähe von empfindlichen Körperteilen wie Gesicht, Hals und Unterarm.

Verletzungen an einer realitätsnahen Hand aus ballistischem Gel

Bei diesen Bildern sehen Sie einen Unterarm incl. Hand und die Verletzungen durch einen Propeller. Es wurde ein hochwertiges ballistisches Gel eingesetzt, welches von Prüfinstituten und Militär verwendet wird. Das ballistische Gel besitzt die Eigenschaften von menschlichem Gewebe wie Haut und Muskeln. Lediglich Schnittverletzungen die durch Knochen führen würden entsprechen an der Gel-Hand nicht der Realität. In der Gel-Hand sind keine Knochen enthalten.


Noch alles dran an der Hand aus ballistischem Gel.


Ein tiefer Schnitt zwischen Daumen und Zeigefinger durch einen CFK-Propeller. Knochen sind an dieser Stelle keine, weswegen die Verletzung an der Hand aus ballistischem Gel der Realität entspricht.


Tiefe Schnitte.


Die Finger sind schon amputiert.


Der Vergleich mit dem Original.


Der Handstummel aus ballistischer Gelatine.

Im Ernstfall werden die Knochen dem Propeller einen hohen Widerstand bieten und so eine komplette Amputation der Finger wahrscheinlich verhindern. Trotzdem sind schwere Verletzungen zu erwarten. Neben stark blutenden Wunden können Nerven durchtrennt werden und zu einem dauerhaftem Gefühlsverlust einzelner Finger führen. Im Gesicht sind solche Verletzungen besonders gefährlich.

Umherfliegende Propellerteile

Die Gefährdung aufgrund gerissener Propeller hat in den letzten Jahren stark nachgelassen. Durch bessere Herstellungsverfahren und den Einsatz haltbarer Materialien ist dieses Risiko gering einzustufen. Allerdings sollten beschädigte Propeller ausgetauscht werden. Dies betrifft vor allem CFK-Propeller, die Kontakt mit Hindernissen hatten. Die CFK-Propeller können äußerlich nahezu unbeschädigt sein, aber im inneren Risse aufweisen, die bei höherer Belastung den Propeller komplett zerstören. GFK-Propeller sind hier weniger betroffen, sollten aber ebenso wie alle anderen Propeller bei sichtbaren oder vermuteten Beschädigungen sicherheitshalber ausgetauscht werden. Ein Propeller kostet nur den Bruchteil des gesamten Modells. Wenn bei einer Drohne ein Propeller zerstört wird, folgt der Absturz des Modells.

Gehörschäden durch hochdrehende Propeller

Gehörschäden durch die Propeller sind selten und vorwiegend bei hochtourigen kleinen Propellern in schallharter Umgebung (z.B. Betonwände) zu erwarten. Hierzu gehört beispielsweise der Flug in Tiefgaragen nahe am Piloten.

LiPo Akkus als Gefahrenquelle

Eine weitere Gefährdung geht von dem Akku aus. Heutige LiPo-Akkus besitzen einen hohen Energiegehalt. In Verbindung mit einem Absturz und einer Beschädigung des Akkus bzw. einem Kurzschluss durch defekte Elektronik besteht unmittelbare Brandgefahr. Gerade Piloten, die eine Drohne im Hochsommer durch trockene Gebiete fliegen sollten sich dieser Gefahr bewusst sein. Ein brennender LiPo-Akku darf niemals mit Wasser gelöscht werden. Verwenden Sie stattdessen eine Löschdecke, Sand oder einen Pulverfeuerlöscher. Aus praktikablen Gründen empfiehlt es sich gerade bei aggressiven Kunstflug-Modellen eine einfache Löschdecke mitzunehmen.

Einfache Lösung: Abstand halten

Start und Landung auf dem Boden mit mindestens 5 Meter Sicherheitsabstand zu Personen sollte die bevorzugte Variante sein.


Das Verletzungsrisiko beträgt bei 5 Meter Abstand 1 % , wenn die Drohne unkontrolliert herumfliegt. Bei 10 Meter Abstand sind es nur noch 0,25 % (Herleitung siehe weiter unten).

Risiken minimieren beim Drohnen Fliegen

Um die Risiken zu minimieren gelten allgemeine Regeln der Vernunft.
  • Fliegen Sie nur ein Modell welches in Ordnung ist. Keine „wird schon passen“ Flüge.
  • Vergewissern Sie sich vor dem Start, ob weitere Gefahren wie z.B. Hindernisse vorhanden sind.
  • Fliegen Sie in einem großzügigem Sicherheitsabstand zu Menschen und Tieren. Hunde jagen gerne einen tiefer fliegenden Drohne hinterher und springen hoch.
  • Lesen und beachten Sie die Betriebsanleitung(en)

Fail-Safe Szenarien. Es gibt nur ein sicheres.

Noch ein paar Anmerkungen zu verschiedenen Fail-Safe Szenarien. GPS ist nur unter optimalen Bedingungen genau. Bäume, Gebäude, Gewitterwolken etc. stören den Empfang. Wir haben schon hochwertige GPS-Empfänger getestet die bei schlechtem Satellitenempfang (z.B. Regenwolken) Abweichungen von gut einem Kilometer zur realen Position hatten. Diese Empfänger korrigieren zwar schrittweise die Position, aber im ungünstigen Fall hat die Steuerung eine falsche Positionsmeldung. Stellen Sie sich ein ¨Fly home¨ unter solchen Bedingungen vor. Das Modell wird mit drehenden Propellern irgendwo hin fliegen. Ein Streckenflug mit der Drohne wird damit gefährlich.

Meiner Meinung nach gibt es nur ein sicheres Fail-Safe Verhalten: Motoren sofort aus. Auch wenn dies unter Umständen einen Totalschaden des Modells bedeutet. Alle anderen Szenarien wie „Position hold“, „Fly home“ etc. sind riskant. Bedenken Sie, dass es schon ein Problem gibt, wenn solche Szenarien aktiv werden. Kein Funkempfang bedeutet ungünstige Bedingungen für eine Funkübertragung. Dies kann auch den GPS-Empfang betreffen. Ein unkontrolliert umherfliegendes Modell kann größeren Schaden anrichten, als ein Modell, das auf einer kleinen Fläche am Boden einschlägt. So gut die GPS-Navigation ist, sollte dieser Technik nicht blind vertraut werden.

Typische Fehlerquellen bei Drohnen

Gründe für ein unkontrolliert umherfliegendes Modell gibt es genügend.
Eine kleine Auswahl
  • Propeller falsch montiert
  • Motoren drehen falsch
  • Kabelbruch (z.B. ESC schaltet ab)
  • Feuchtigkeit auf der Platine (Regen, Nebel, Schnee)
  • Ein Sendemast in der Nähe stört das Modell
  • Regler falsch eingestellt
  • Verdrahtungsfehler (z.B. Motoren falsch an die Steuerung angeschlossen)

Weitere Ursachen
  • Pilot versteuert sich
  • Pilot wird angerempelt
  • Pilot muss niesen
  • Windböe
  • Ein Stecker löst sich
  • Fernsteuerung defekt
  • Pilot abgelenkt
  • ESC Kurzschluss
  • und viele mehr

Warum dieser Artikel?

Dieser Artikel ist entstanden, da befreundete Drohnen-Flieger teilweise schwere Verletzungen beim Ausüben ihres Hobbys bzw. Berufes davongetragen haben. Dies möchte ich Ihnen ersparen.






Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.


Herleitung Trefferwahrscheinlichkeit

Um die Trefferwahrscheinlichkeit eines unkontrolliert herumfliegenden Modells zu ermitteln wird nachfolgende Berechnung verwendet.


Stellen Sie sich vor das Modell befindet sich in der Mitte einer Halbkugel. Der Pilot ist genau am Rand der Halbkugel. Ein unkontrolliert umherfliegendes Modell wird irgendwo am Boden oder der Halbkugelschale aufschlagen.

Die Fläche des kreisförmigen Bodens und der Halbkugelschale ist:


R ist der Radius des Bodenkreises bzw. der Halbkugelschale und entspricht der Entfernung zum Modell.

Die Außenabmessungen des Piloten werden mit etwa 180 cm x 50 cm angenommen. Damit die Berechnung einfacher, aber trotzdem genau, durchgeführt werden kann, wird der Quadrocopter punktförmig angenommen. Aus diesem Grund müssen die Abmessungen des Piloten vergrößert werden. Pro Seite ist es erforderlich, die halben Quadrocopter-Außenabmessungen hinzuzufügen. In Summe sind die Abmessungen des Piloten bei einem Quadrocopter mit 50 cm Außenabmessungen (Propellerspitze zu Propellerspitze) damit 230 cm x 100 cm. Dies entspricht 2,3 Quadratmeter.

Die Trefferwahrscheinlichkeit ist das Verhältnis der Flächen zueinander.

In der Beispielrechnung beträgt die Trefferwahrscheinlichkeit bei 5 Meter Abstand zum Modell ca. 1 %.

Folgende Tabelle zeigt einige typische Werte für die Trefferwahrscheinlichkeit durch eine unkontrolliert umherfliegende Drohne gegenüber dem Abstand zum Flugmodell.

Abstand in m Trefferwahrscheinlichkeit in %  
  124,40  
  26,10  
  50,98  
  100,24  
  200,06  
  500,01  













Achtung: Es folgen Bilder von Verletzungen durch Drohnen. Wenn Sie kein Blut sehen können, scrollen Sie nicht weiter !















Bilder von Verletzungen durch Drohnen



Kunstflug Quadrocopter: Propeller falsch montiert und Handstart. Schnitte gingen gerade so an den Nerven vorbei.


Kleiner PFV Racer: Pilot wollte das noch gearmte Modell hochheben. Beim Bücken drückte die dicke Winterjacke den Gasknüppel leicht nach vorne und die Motoren starteten. Zwei Schnitte bis zum Knochen / Gelenk. Verletzung der Strecksehne Zeigefinger.


250er Racer: Beim Bücken und Wiederaufrichten des Quadrocopters mit der Kleidung den Gashebel berührt. Oberflächenverletzung und Verletzung des Nagels, aber zum Glück nicht tief.


Diese Verletzung entstand, als die Drohne aus der Luft gefangen wurde und dann hinten ausregelte. Ein Propeller traf die Hand. Motor 2204 mit 6 Zoll Propeller.

Sollten Sie selbst von einer Drohne verletzt worden sein und Bildmaterial besitzen, können Sie mir dieses gerne zuschicken. Im Idealfall mit einer kurzen Beschreibung und der Freigabe das Bild auf der Webseite zu verwenden.

Bilder bitte über die Kontaktadresse verschicken.